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Markus Rill / Getting Into Trouble – 20 Years Of Gunslinging – CD-Review

Markus Rill - Getting Into Trouble/20 Years Of Gunslinging - CD-Review

Keine Frage, im gerade abgelaufenen Jahr 2017 gab es etwas zu Feiern im Hause Rill. Denn es waren genau zwanzig Jahre vergangen, seit 1997 sein damaliges Debütalbum "Gunslinger’s Tales" erschienen war. Und da man die Feste feiern soll wie sie fallen, hat sich Markus Rill dazu entschlossen, zum runden Jubiläum gleich mal ein Doppelalbum rauszuhauen. Und nein, es handelt sich dabei weder um eine 'Best of'-Compilation, noch um eine Live-Scheibe. Vielmehr stellte er die Tracks aus drei verschiedenen Quellen zusammen, denn einerseits hat der Mann aus dem Süden Deutschlands brandneue Tracks am Start, dann ältere, die er unbedingt wieder neu aufnehmen wollte und drittens auch noch Stücke aus unterschiedlichen Projekten und Kollaborationen. Wobei das auf "Getting Into Trouble/20 Years Of Gunslinging" soundmäßig so gut gelöst wurde, dass dem Hörer bezüglich des Klanges kaum Unterschiede auffallen.

Markus Rill hat sich mittlerweile zu Recht europaweit einen hervorragenden Namen erarbeitet und das liegt nicht nur an seinem herausragenden Songwriting, sondern unbedingt auch an der sehr authentischen Umsetzung an den Instrumenten sowie dem emotionalen Gesang und seiner angenehm rauen Stimme. Der neue Titel "In Theory" (wie später auch "Young Again" als Opener der zweiten CD) setzt in Springsteen-/Tom Petty-Manier gleich schon mal den richtigen Ton mit einem Americana-Rocker der gehobenen Qualitäts-Stufe. Einer meiner sowohl musikalisch wie auch textlichen Favoriten ist das fantastisch groovende "Giving Up On Dreaming", das zuerst in die Beine geht und dann auch sehr bald zum Mitsingen einlädt… ach was, eigentlich schon auffordert, wenn man das so nennen kann. Der Kopf spielt nämlich gar keine Rolle und ordnet sich dem Bauch unter, wenn einem der Refrain sehr bald schon automatisch über die Lippen geht. Ausfälle sind über die komplette Laufzeit keine zu finden, selbst wenn man stoisch danach suchen würde. Sowohl die Verbeugung vor dem Fiddle-Ass Vassar Clements ("Vassar Played The Fiddle"), die sympathische Selbsterkenntnis der Unperfektheit ("Not Like I Don’t Try") oder die Bekanntschaft mit einer Stripperin aus New Orleans ("Jenny") – alles absolut gelungen.

Eine der großen Stärken von Markus Rill ist auch seine Vielseitigkeit, was sein lockeres Wechseln zwischen Stilen wie Rock, Alternative Country und Americana über Rockabilly, Bluegrass bis hin zum Singer/Songwritertum wie ein Kinderspiel erscheinen lässt. Bereits auf der ersten CD bekommt man von all dem etwas geboten, selbstverständlich immer mit dem Markus Rill-Stempel versehen. Der erste Silberling ("Getting Into Trouble") ist also ein sehr starker Nachfolger zu Dream Anyway, der auch ganz alleine für sich stehen könnte. Mit "20 Years Of Gunslinging" kommt dann aber sogar noch ein echtes Sahnestückchen als Bonus-CD. Bestand der erste Rundling aus brandneuen und einigen neu aufgenommenen Stücken, so wirft Rill hier einen etwas ausgiebigeren Blick zurück in die Vergangenheit. Beispielsweise mit "Girl On The A-Train" und "Angel On The Stairs" auf das Projekt Treml Schuier Rill, oder mit der Nummer "For A While" auf ein hervorragendes Duett mit der Schwedin Annika Fehling, sein Akustik-Album Late Night Drive mit den Stücken "Drifting In And Out Of Sleep" sowie "The Hardest Thing To See", aber mit dem Song "Can’t Help Falling In Love" auch auf seine Cover-Scheibe Bag Of Tricks.

Alle diese Tracks sind nicht einfach nur sehr gut, sie überzeugen auf ganzer Linie. Hatte er mit "Vassar Played The Fiddle" einem verstorbenen Musiker bereits die Ehre erwiesen, so handelt es sich auf CD 2 bei "Killer On The Radio" natürlich nicht um einen verwirrten Massenmörder, sondern vielmehr um den legendären Jerry Lee 'The Killer' Lewis. Und nicht zuletzt sind da ja auch noch die bärenstarken 'Balladen' bzw. ruhigeren Tracks, die nicht nur von der Umsetzung absolut glaubhaft rüberkommen, sondern in deren Lyrics man sich öfter auch mal selbst wiederfinden kann.

Für sein Vorgänger-Album "Dream Anyway" konnte Markus Rill Preise in den Kategorien 'Album des Jahres' sowie 'Sänger des Jahres' einfahren. Und genau solche Ehrungen hätte "Getting Into Trouble"/20 Years Of Gunslinging" ebenfalls verdient.


Line-up Markus Rill on CD 1:

Markus Rill (acoustic & electric guitars, harp – #5,6, vocals)
Dave Coleman (acoustic & electric guitars, acoustic baritone guitar & mandolin – #9, pedal steel & electric baritone guitar – #11, background vocals – #2,6,10,11)
Didi Beck (upright & electric bass – #2,3,6,7,9,11)
Leonardo von Papp (drums – #1,2,6,7,9,11)

With:
Marco Hohner (electric guitar – #1,4, background vocals – #1)
Julian Fischer (electric guitar & background vocals – #7)
Tom Ripphahn (electric guitars, Dobro, piano & organ – #8)
Falco Eckhof (tambourine – #2,3, cowbell – #2, synth string & glockenspiel – #5)
Manu Huber (organ – #1,4)
Andi Obieglo (piano & organ – #11)
Sue Ferrers (fiddle – #7,9)
Chris Reiss (bass – #1,4)
Thorsten Wingenfelder (bass – #8)
Aggi Berger (drums – #4)
Robert Overbeck (drums – #8, background vocals – # 8,9)
Camille Bloom (harmony vocals – #3)
Hannah Weidlich (harmony vocals – #9)

Tracklist "Getting Into Trouble":

  1. In Theory
  2. Eye For An Eye
  3. For The Love Of Anne Boleyn
  4. Desperate Ride
  5. On The Sly
  6. Trouble With The Law
  7. Jenny
  8. Giving Up On Dreaming
  9. Vassar Played The Fiddle
  10. Not Like I Don’t Try
  11. You Took It All Away

Tracklist "20 Years Of Gunslinging":

  1. Young Again
  2. Can’t Help Falling In Love
  3. The Spirit Of Bayou Desiard
  4. Drifting In And Out Of Sleep
  5. Girl On The A-Train
  6. For A While
  7. Kill Will
  8. The Hardest Thing To See
  9. Killer On The Radio
  10. One More Dollar
  11. Angel On The Stairs

Gesamtspielzeit: 41:57 (CD 1), 39:34 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2017

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
Meine Beiträge im RockTimes-Archiv
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Meine Konzerberichte im Team mit Sabine
Mail: markus(at)rocktimes.de

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